Durchbruch im GFK-Recycling

Durchbruch im GFK-Recycling

Middelfart, 15.09.2010

 

Die Frage, wie man GFK-Abfälle möglichst effizient nutzt, beschäftigt die Branche seit Jahren. Nun wurde eine brauchbare Lösung gefunden, die demnächst in die Praxis umgesetzt werden soll.

Glasfaserverstärkter Kunststoff, kurz GFK, gilt allgemein als ein Material mit vielen Vorteilen – im Vergleich zu Holz, Stahl, Aluminium und anderen herkömmlichen Werkstoffen. Energieeffizient in Entwicklung, Herstellung und Handling sowie mit zahlreichen Anwendungsbereichen, die dem Klimaschutz dienen – wie z.B. als Rahmen für hochisolierende Fenster. Nachteilig waren eigentlich nur die begrenzten Wiederverwertungsmöglichkeiten.

Für dieses Problem hat Fiberline Composites, Hersteller von GFK- und CFK-Profilen, nun eine befriedigende Lösung gefunden – in Kooperation mit zwei deutschen Unternehmen: Zajons, eine Firma, die sich auf die Umwandlung von Abfällen in industrielle Ersatzstoffe spezialisiert hat, sowie die Holcim (Deutschland) AG, Tochter eines der größten Zementproduzenten der Welt. Laut Kooperationsvertrag werden GFK-Abfälle des Fiberline-Werks Middelfart künftig in Deutschland aufbereitet und sowohl thermisch als auch stofflich wiederverwertet.

Als echte Win-Win-Lösung erfüllt die Innovation gleich zwei Zwecke: Fiberline löst sein GFK-Abfallproblem, an dem die Branche seit Jahren gearbeitet hat, und der Zementhersteller Holcim nutzt den Heizwert sowie die mineralischen Komponenten zur Einsparung natürlicher Ressourcen.

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Nächster Schritt Sammelsystem
Benedikte Jørgensen, Corporate Sustainability Manager der Fiberline Composites A/S, sieht große Perspektiven:

"Zunächst stellt der Vertrag für uns selbst einen entscheidenden Durchbruch dar. Auf längere Sicht liegt aber zugleich ein Sammelsystem nahe, das auch unseren Kunden und Endverbrauchern die Möglichkeit eines umwelt- und klimagerechten GFK-Recyclings bietet."

Zajons erwartet sich ebenfalls viel von der Aufbereitung und Wiederverwertung. Dipl.-Ing. Jörg Lempke, Geschäftsführer der Zajons Logistik Entsorgungsgesellschaft mbH:

"Die Vereinbarung mit Fiberline ist die erste ihrer Art mit einem dänischen Hersteller. Wir hoffen, dass andere dänische Unternehmen diesem Beispiel folgen werden, da der Erfolg des Projekts auch von einigermaßen konstanten Materialströmen abhängen wird."

Bereits im September rechnet Fiberline mit der ersten GFK-Abfallsendung an Zajons.

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Weder Deponie noch fossile Energie
Für Fiberline ist die Wiederverwertung der Produktionsabfälle ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Kreislaufwirtschaft und zum erklärten Ziel, weder Abfälle zu deponieren noch fossile Primärenergie einzusetzen. Bereits heute deckt das 2009 mit dem Energiepreis ausgezeichnete Unternehmen rund die Hälfte seines Strombedarfs durch eine firmeneigene Windkraftanlage.

 


GFK-Recycling
Zementwerke benötigen neben viel Energie große Mengen Sand, Hauptbestandteil von Glas und damit auch Glasfaser. Außer Sand enthält GFK den Kunststoff Polyester, der mit seinem hohen Heizwert viel fossile Primärenergie einspart.

Das Verfahren:

Fiberline sendet GFK-Abfälle an Zajons in Melbeck

Zajons zerkleinert die Abfälle in einem riesigen Shredder und justiert den Brennwert, Feuchte- und Aschegehalt durch Zusatz anderer Recyclingmaterialien


 Zajons zerkleinert die Abfälle in einem riesigen Shredder

Die Abfälle gehen aufbereitet in den Versand Richtung Holcim Zementwerk. Dort werden sie als Roh- und Brennstoffsubstitut im Zementklinkerherstellungsprozess eingesetzt.

Durch Wiederverwertung von 1000 Tonnen Fiberline-Profilen können auf diese Weise bis zu rund 450 Tonnen Kohle, 200 Tonnen Kreide, 200 Tonnen Sand und 150 Tonnen Aluminiumoxid eingespart werden (Quelle: Holcim, 2010). Gleichzeitig enthält GFK andere für die Zementherstellung erforderliche Mineralien. Am Ende entsteht hochwertiger Zement ohne Restabfälle. Es werden also 100 % der ausgedienten Profile nachhaltig verwertet.